Alternativen zur Testamentsvollstreckung: die transmortale/postmortale Vollmacht

In der erbrechtlichen Beratung spielen neben der testamentarischen Gestaltung auch Vorsorgevollmachten eine große Rolle. In der Regel wird dazu geraten, dass eine Vollmacht über den Tod hinaus wirksam ist, bis die Erben oder ein vom Erblasser bestimmter Testamentsvollstrecker sich legitimiert und den Nachlass in Besitz nimmt. Die Vollmacht kann sowohl ein bedeutendes Hilfsmittel für den Erblasser neben der Testamentsvollstreckung sein. Sie kann aber auch anstelle der Testamentsvollstreckung dazu dienen, dem Willen des Vollmachtgebers, also des Erblassers, über seinen Tod hinaus Geltung zu verschaffen.

In der Praxis wird dabei unterschieden zwischen der sogenannten „transmortalen Vollmacht“ und der „postmortalen Vollmacht“.
Bei der „transmortalen Vollmacht“ handelt es sich in der Regel um eine Vorsorgevollmacht, die oft innerhalb der sogenannten Generalvollmachten mit erteilt wird. Die Vollmacht kann bereits zu Lebzeiten des Vollmachtgebers ausgeübt werden und erlischt nicht mit dem Tod desjenigen, der die Vollmacht erteilt hat.
Die sogenannte „postmortale Vollmacht“ hingegen wird erst mit dem Tod des Vollmachtgebers wirksam und ermächtigt erst dann zum Handeln. Anders als bei einer testamentarischen Anordnung der Testamentsvollstreckung ist die postmortale Vollmacht ein Rechtsgeschäft unter Lebenden zwischen dem Erblasser und dem Bevollmächtigten. Sie kann aber genauso durch eine Verfügung von Todes wegen erteilt werden. Anders als bei der Testamentsvollstreckung vertritt der postmortale Bevollmächtigte die Erben, hat also nicht mehr die Mittlerposition als Treuhänder über den Nachlass, der unabhängig vom Willen der Erben, aber in deren wohl verstandenen Interesse, im eigenen Namen die letztwilligen Anordnungen des Erblassers umsetzt. Vielmehr wird er durch den Tod des Erblassers und die Gesamtrechtsnachfolge seines Vermögens auf die Erben zu deren Bevollmächtigten. Dieses hat gegenüber der Testamentsvollstreckung den Nachteil, dass der Nachlass kein vor dem Zugriff Dritter, wie z.B. den Gläubigern der Erben geschütztes Sondervermögen ist.

Wichtig ist, dass keine der möglichen Lösungen, weder die Testamentsvollstreckung noch die postmortale oder die transmortale Vollmacht für sich gesehen besser oder schlechter ist. Vielmehr ist auf den jeweiligen Einzelfall abzustellen, was sinnvoll ist. Oftmals ergänzen sich Vollmacht und Testamentsvollstreckung. Hier muss im Rahmen der vorsorgenden Beratung und Gestaltung der beste Weg zur Durchsetzung des Erblasserwillens gefunden werden.