2. Das Nachlassgericht:

Das Standesamt, welches den Tod des Erblassers durch Ausstellung der Sterbeurkunde beurkundet hat, leitet die Sterbeurkunde an das für den Erblasser zuständige Nachlassgericht weiter. Dieses ist das Nachlassgericht, in dessen Zuständigkeitsbereich der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte.
Für den Fall, dass der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nicht in Deutschland hatte, ist für einen deutschen Erblasser gem. § 343 Abs.2 FamFG das Amtsgericht Berlin-Schöneberg zuständig.
Verstirbt ein Ausländer in Deutschland, so ist gem. § 343 Abs.3 FamFG das Gericht örtlich zuständig, in dessen Bezirk sich der inländische Nachlass befindet.

Zu beachten ist, dass in Baden-Württemberg die Aufgaben des Nachlassgerichtes dem staatlichen Notariat zugewiesen sind. Dort sind die Notare beamtet und nehmen sowohl die Funktion des Nachlassrichters als auch die des Rechtspflegers wahr.

Das Nachlassgericht ist u.a. für die Eröffnung von Verfügungen von Todes wegen, also Testamenten und Erbverträgen, sowie die Erteilung von Erbscheinen zuständig.
Erfährt das Nachlassgericht, entweder durch das Standesamt oder durch Dritte gegen Vorlage der Sterbeurkunde, von dem Erbfall, überprüft es, ob sich eine Verfügung von Todes wegen in der amtlichen Verwahrung des Nachlassgerichtes befindet. Befindet sich eine solche Verfügung beim Nachlassgericht, so wird sie vom zuständigen Rechtspfleger eröffnet. Dieses geschieht durch einen formalen Akt und das eröffnete Testament bzw. der Erbvertrag wird dann den Erben sowie den weiteren in der Verfügung benannten Personen mit dem Eröffnungsprotokoll förmlich zugestellt.
Befindet sich keine Verfügung von Todes wegen in der Testamentskartei des Nachlassgerichtes, so schreibt das Nachlassgericht die in der Sterbeurkunde benannten Angehörigen oder sonstigen Personen an und bittet um Mithilfe bei der Erbenermittlung. Zudem wird darauf hingewiesen, dass gem. § 2259 BGB die gesetzliche Pflicht besteht, ein Testament, welches sich nicht in amtlicher Verwahrung befindet -das sind in der Regel die eigenhändig erstellten Testamente- nach Kenntniserlangung vom Sterbefall unverzüglich beim Nachlassgericht abzuliefern sind. Diese Pflicht gilt nicht nur für Privatpersonen. Ein Nachlassgericht, welches im Besitz eines Testamentes ist, welches der Erblasser dort hat hinterlegen lassen, weil er zum Zeitpunkt der Errichtung des Testamentes oder des Erbvertrages in dem Zuständigkeitsbereich dieses Nachlassgerichtes lebte, muss das dort hinterlegte Testament an das im Zeitpunkt des Erbfalls zuständige Nachlassgericht übersenden.

Mit der Eröffnung der Verfügung von Todes wegen beginnen wichtige Fristen zu laufen. So beginnt spätestens mit der Eröffnung die Ausschlagungsfrist von sechs Wochen (für sich im Ausland befindende Erben sechs Monate) zu laufen und auch für die Verjährung von Pflichtteilsansprüchen ist die Eröffnung der Verfügung von Todes wegen bedeutsam, da die Verjährung der Ansprüche ab dem Zeitpunkt beginnt, an dem der Pflichtteilsberechtigte Kenntnis vom Erbfall und der ihn in seinem Erbrecht beeinträchtigenden Verfügung von Todes wegen erlangt.

Außerdem ist das Nachlassgericht für die Erteilung eines Erbscheines zuständig. Der Erbschein ist das Legitimationspapier, mit dem der oder die Erben gegenüber Behörden und Institutionen ihre Stellung als Rechtsnachfolger des Erblassers nachweisen können. Die Erteilung eines Erbscheines ist in der Regel dann erforderlich, wenn die Erbfolge durch ein eigenhändiges Testament des Erblassers bestimmt wurde oder ein öffentliches Testament oder ein Erbvertrag keine eindeutige Bestimmung der Erben zulässt.

Der Antrag auf Erteilung eines Erbscheines kann unmittelbar beim Nachlassgericht zu Protokoll beim zuständigen Rechtspfleger oder aber gegenüber einem Notar gestellt werden, der den Antrag dann an das Gericht weiterleitet. Grundsätzlich könnte der Antrag auch selbst schriftlich beim Gericht gestellt werden. Da aber in der Regel die Nachlassgerichte die Glaubhaftmachung der im Antrag benannten Tatsachen durch eine eidesstattliche Versicherung verlangen, bleibt praktisch nur der Weg zum Gericht oder zum Notar.

3. Das Grundbuchamt